Emotionales Essen

Als Säugling wird man gestillt, diese Nähe und Wärme, verbunden mit der Nahrungsaufnahme speichert sich im Gehirn als Wohlgefühl ein. Später im Leben gibt es zum Beispiel den warmen Pudding, wenn man vom Spielen nach Hause kommt oder die Hühnersuppe bei Krankheit. Dies löst bereits eine Emotion nach Geborgenheit, Wärme und Nähe aus. Aber auch eine frühkindliche Konditionierung kann prägend sein. So kann Essen als Schutz bei negativen Gefühlen dienen oder zur Regulierung der Emotionen herangezogen werden.
Wenn es also Probleme dabei gibt, gesunde Ernährungsgewohnheiten zu etablieren, oder eine Gewichtsreduktion immer wieder scheitert, kann es sein, dass man Essen dazu benutzt, um gewisse Gefühle auszulösen oder zu unterdrücken. Es könnte sich dahinter der Wunsch nach Nähe, Wärme und Geborgenheit verstecken. Aber auch kann Essen dazu benutzt werden, um Gefühle zu überdecken.
Emotionales Essen

Kindheitsprägungen

Oft werden aber bereits Kinder zu emotionalem Essen konditioniert. Als Belohnung gibt es zum Beispiel ein Eis, da man ja brav das Kinderzimmer aufgeräumt hat. Oder das Kind soll ruhig im Kinderwage sitzen bleiben und bekommt eine Tüte mit Knabbereien, also essen bei Langeweile. Aber auch negative Gefühle werden oft mit Essen überdeckt. Tut man sich zum Beispiel weh, oder bekommt ein kleines Kind seinen Willen nicht, dann wird es selten begleitet, um mit diesen Gefühlen zurecht zu kommen, sondern stattdessen wird es einfach mit einem Lutscher oder einem Stück Schokolade ruhiggestellt.

Unterdrückung des intuitiven Essens

Auch ein Gefühl für intuitives Essen wird abtrainiert. Der Körper zeigt oft welche Nährstoffe er gerade benötigt.  Appetit auf salziges kann zum Beispiel auf einen Nährstoffmangel hindeuten. Aber auch aufzeigen, dass zum Beispiel die Nebennieren aufgrund von Dauerstress überlastet sind oder auf eine Fehlfunktion der Schilddrüse hindeuten.

Viele spüren keinen Hunger und auch kein Sättigungsgefühl mehr, da entweder ständig gegessen wird oder nach Zeitplan zu festgelegten Zeiten. Ich habe schon öfters beobachtet, dass Eltern, wenn sie am Spielplatz ankommen, erst mal den Kindern einen Snack zu essen geben, anstatt das diese spielen. Auch das nur noch zu festgelegten Zeiten gegessen wird ist eher problematisch. Heutzutage isst man ja nicht mehr, wenn man Hunger hat, sondern wenn beispielsweise Mittagpause ist. Auch der berühmte Satz „Der Teller muss leergegessen werden“ führt dazu, dass über den Hunger hinaus gegessen wird und dadurch auch mehr Kalorien verzehrt werden, als der Körper braucht. Aber auch das Essen ständig verfügbar ist und auch gerade Kinder zu Daueressern erzogen werden wirkt sich nachteilig darauf aus, um eine gesunde Darmfunktion aufrechtzuerhalten.

Negative Kindheitserlebnisse

Auch negative Erlebnisse in der Kindheit oder Jugend können dazu führen, dass Essen dazu benutzt wird, um gewisse Emotionen nicht zu fühlen. Beispielsweise kann man sich nach einem Missbrauchsvorfall eine Art Schutzpanzer „anfressen“. Auch das sich „Rettungsringe“ bilden bei z. B. Schulangst wegen Mobbing oder körperlicher Gewalt ist keine Seltenheit. Dahinter könnte sich der Leitsatz verbergen „Essen verletzt nicht.“, „Essen gibt mir Sicherheit.“. Da auch viele Menschen Probleme haben über Ihre Gefühle zu sprechen oder diese oft auch gar nicht mehr benennen können „fressen“ sie im wahrsten Sinne des Wortes diese in sich hinein.

Negative Glaubenssätze

Auch negative Glaubenssätze können das Abnehme behindern. Aussagen wie „Wir sind alle dick in unserer Familie“ können sich unbewusst einprägen und eine Gewichtsreduktion verhindern. Dieser Glaubenssatz suggeriert, dass man aufgrund der genetischen Disposition nichts ändern könnte. Aber dem ist nicht so.  Auch können ungesunde Verhaltensweisen aus der Kindheit übernommen werden wie z. B. zum Frühstück muss es Kakao und Wurststullen geben oder am Sonntag muss es der Braten mit anschließendem Kuchen sein. Oftmals werden diese Verhaltensweisen dann ohne weiter zu hinterfragen auch ins Erwachsenenalter mit übernommen. Auch im Erwachsenalter fällt es oft schwer sich den Eltern und den „Ernährungs-Traditionen“ zu widersetzen und gesündere Essgewohnheiten zu etablieren.

Mangelndes Selbstbewusstsein

Auch mangelndes Selbstbewusstsein kann zum Misserfolg führen. Vielleicht wurde der Glaubenssatz „Ich schaffe da nie.“ Bereits in der Kindheit angelegt, da einem nichts zugetraut wurde und sich daher das Vertrauen in sich selbst und seine eigenen Fähigkeiten nicht oder nur schwach entwickeln konnte.

Dies alles kann dazu führen, dass es im Verlauf der Kindheit/Jugend oder im späteren Erwachsenenleben zu Gewichtsproblemen kommen kann. Oder dazu, dass es einfach nicht mit dem Abnehmen funktionieren will. Aber was kann man tun?

Mögliche Lösungsansätze

Ernährungstagebuch

Zuerst sollte man herausfinden welche Emotion sich dahinter verbirgt. Hierbei kann es hilfreich sein, ein Ernährungstagebuch zu führen. In diesem wird nicht nur notiert, zu welcher Uhrzeit welche Mahlzeiten eingenommen werden, sondern auch ob sich tatsächlich Hunger oder Emotionen dahinter verbergen. Greift man zum Beispiel zur Schokolade, kann man sich selbst fragen, ob der Auslöser der Konflikt mit dem Chef war. Dazu sollte man ehrlich mit sich selbst sein und sich auch eingestehen, ob man denn nun aus Frust, Wut, Langeweile oder zur Belohnung isst. Beim emotionalen Essen könnte auch der Wunsch nach Nähe und Geborgenheit eine große Rolle spielen. Manchmal braucht man kein Stück Kuchen, sondern nur eine Umarmung oder ein Gespräch mit einer vertrauten Person.

Gefühle wahrnehmen und annehmen

Sobald man herausgefunden hat, welcher Impuls sich dahinter verbirgt, kommt wohl der für viele Personen schwierigste Teil. Denn hierbei muss man Schicht für Schicht tiefer zum Kern des Gefühls kommen. Am Anfang muss man lernen, das Gefühl auszuhalten, ohne sich durch Essen abzulenken. Nur so kann das tiefliegende Gefühl tatsächlich an die Oberfläche kommen, ohne durch Essen im Keim erstickt zu werden. Es gibt gute Tools aus dem Mentaltraining, die angewendet werden können. Aber wenn die Emotionen zu tief liegen oder man persönlich an seine Grenzen stößt, dann sollte man sich lieber Unterstützung bei einem Psychologen oder Heilpraktiker für Psychotherapie holen und eventuelle eine Gesprächstherapie in Erwägung ziehen.

Auflösung negativer Glaubenssätze

Zu den Mentaltechniken gehören das Auflösen negativer Glaubenssätze und das Einführen von positiven und zielführenden Glaubenssätzen. Statt sich immer wieder zu sagen „Ich schaffe das nie“ könnte der Glaubenssatz „Mit Leichtigkeit und Spaß erreiche ich mein Wunschgewicht“ zielführend sein. Dies erfordert jedoch einige Zeit, da sich tiefsitzende Glaubensmuster, die über Jahre eingeprägt wurden, selten über Nacht auflösen lassen.

Teilziele setzen

Es hilft auch nicht, seine Ziele zu hochzustecken. Wenn jemand beispielsweise insgesamt 50 Kilo abnehmen möchte, hilft es auch, sich Teilziele zu setzen. Eine mögliche positive Affirmation könnte zum Beispiel lauten „Ich schaffe es, dieses Jahr 10 Kilo mit Leichtigkeit und Spaß abzunehmen.“. Dieses Ziel ist leichter zu erreichen und motiviert zum weiteren Abnehmen. Auch wenn es dadurch etwas länger dauert, aber ein langsamer Gewichtsverlust ist oftmals nicht nur gesünder, sondern es ist auch nachhaltiger, d. h. das Gewicht kann besser gehalten werden als bei Crash-Diäten, bei denen oftmals der JoJo-Effekt zuschlägt.

Reise zum inneren Kind

Ebenfalls hilfreich kann auch eine geführte Meditation wie die Reise zum inneren Kind sein. Dadurch kann man sich bewusst machen, wann in der Kindheit die ungesunden Verhaltensweisen angelegt wurden. Durch dieses bewusst werden kann gezielt eine Veränderung herbeigeführt werden, da so nun offensichtlich ist, wo genau angesetzt werden muss. Wenn gewisse emotionale Blockaden gelöst sind, fällt es oftmals ganz leicht, seine Ernährung auf gesündere Gewohnheiten umzustellen und auch infolgedessen an Gewicht zu verlieren.

Natürlich geht es nicht darum, sich nun alles zu verbieten und hinter jeder Nascherei sofort psychische Probleme zu vermuten. Natürlich darf man sich auch mal was gönnen. Das Eis im Freibad genießen oder sich ein Stück Kuchen im Lieblingscafé bestellen. Genuss gehört zum Leben dazu. Wichtig ist nur, dass man sich selbst wohlfühlt und sich seiner Emotionen und (Ess-)Gewohnheiten bewusst ist und eine gesunde Balance findet.

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